Die Gepeinigten
Kommentar von Frank Ziemke in der HNA zu den Playoffs 2001, als die Huskies Ihre ersten drei Playoff-Heimspiele alle erst nach Verlängerung/Penaltyschiessen gewannen. Ein Kommentar, der jedem aus der Seele spricht, der damals dabei gewesen ist:
Halt! Aufhören! Wir können nicht mehr! Wissen die überhaupt, was sie einem antun? Das dritte Playoff-Heimspiel, die dritte Verlängerung. Und jetzt auch noch ein Penalty-Schießen. Denkt denn niemand mal an die Gepeinigten auf der Tribüne? An all die Nervenkostüme, die hier zerrüttet werden? An das Zittern und Bangen, das Verzweifeln, Hoffen, Leiden?
Ein Abend in der Eissporthalle: Rauf und Runter der Gefühle. Achterbahnfahrt? Ist ein Bummelzug dagegen. 135 Sekunden im ersten Drittel: Kreutzer, Tor – raus mit der Freude. Die Hände noch zum Himmel-da steht`s schon 1:1. Tal der Tränen jetzt, doch nur für Momente. Hölscher trifft! Ah, ist das schön, so ein Spiel zu erleben!
Aber dann macht Rousson einen fertig. Wie viele Hände hat der Mann? Wie viele Schüsse will der noch halten? Und warum verdammt noch mal, sind diese Münchner so abgezockt, dass sie die erste Chance gleich zum Ausgleich nutzen?
Kann man hier nicht mal einen Augenblick durchatmen? Kann es nicht mal einen glatten Sieg geben? Nein, es gibt natürlich Verlängerung. Es ist jetzt so heiß in der Halle. Nicht nur auf dem Eis. Die Hitze staut sich regelrecht. Jacke aus, dicken Pullover aus. Trotzdem rinnt der Schweiß. Und wenn nur aus Angst bei jedem Angriff der Barons. Wie leicht rutscht so ein Puck ins Tor. So schnell kann man manchmal gar nicht gucken. Ohnehin:man möchte da kaum noch hinsehen!
Jetzt steht der Schneider schon zum zweiten Mal frei vor Rogles. Die Anspannung muss raus. Mal schnell auf den Sitznachbarn einreden:”Das geht in die Hose! Das geht nie gut! Die verlöieren das Ding!” Zweck-Pessimismus – hat gegen Nürnberg auch geholfen. Jetzt endlich die Huskies: erlöse uns, Ted Crowley! Der Puck prallt an Roussons Schoner, trudelt Millimeter am Pfosten vorbei.
In Z e i t l u p e!
Man erlebt das wirklich in Zeitlupe. Und dann das Unausweichliche: Penalty-Schießen. Fast am Ziel. Daffner hat getroffen, Münchens letzter Versuch. Schieß daneben Fearns, schieß jetzt bloß daneben. Oh nein, der trifft. Warum? Warum nur?
Der zweite Versuch. Nicht mehr hinsehen können. Also umdrehen, den Blick zur Hallendecke und auf die Kulisse lauschen. Den erhofften Jubel hören. Noch einmal Daumendrücken für Daffner, dann ist es geschafft – Erlösung der Gepeinigten.
Und eine Bitte: Macht noch möglichst lange weiter so…



